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Arbeitskreis 1: Vom „Brüderchen und Schwesterchen-Idyll“ zur ‚Geschwisterlichkeit‘: Über das (Ambivalenz-)Potential der Geschwisterbeziehungen im Erwachsenenalter

Leitung: Ursula Pietsch-Lindt, M.A.
Zeit/Ort: Montags, 16.00 - 17.30 Uhr, Seminarraum S 93, Philosophikum, Albertus-Magnus-Platz
Beginn: 16. April 2018
Erläuterung: Den Sitzungsplan zu diesem Arbeitskreis finden Sie hier.
Ob der Brudermord in Kain und Abel, der zweifelhafte Handel ums Erstgeburtsrecht zwischen Jakob und Esau, Antigones Bruderliebe, die das Gesetz des Staates bricht, die bösen Schwestern, die der Stiefschwester Aschenputtel den sozialen Aufstieg missgönnen: Kulturgeschichtliche Topoi zu Geschwistern sind uns aus der Bibel, der Dichtung der Antike und aus Märchen gut bekannt. Als gelebte Praxis verweisen sie uns immer wieder auf das System ‚Familie‘, denn Geschwister begleiten uns in der Regel länger als unsere Eltern. Wir sind ihnen fern und nah zugleich und ihre Beziehung zu ihnen bestimmt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Herkunftsfamilie. Liebe und Hass, Vertrauen und Mißtrauen, Bewunderung und Ablehnung, Konkurrenz und Verbundenheit: Geschwisterbeziehungen beinhalten ein großes Reservoir an widersprechenden Gefühlen und daraus folgenden krisenhaften Beziehungsphasen. Trotz dieses Ambivalenzpotentials weist die vergleichsweise junge Geschwisterforschung in der Familiensoziologie und auch in der Psychologie deutliche Leerstellen auf. Demgegenüber gibt es viele literarische Texte, in denen von der Meisterung und auch vom Scheitern dieser spezifischen Beziehungsarbeit in einer großen Bandbreite erzählt wird.
In einer sozialwissenschaftlich orientierten Textarbeit nach dem Konzept der Ambivalenz (Kurt Lüscher/Miriam Haller) soll der Umgang mit dem Ambivalenzpotential in literarischen Beispielen (laut gemeinsam festgelegter Auswahl) analysiert werden. Auch im Hinblick darauf, in wie weit eine neu postulierte „Geschwisterlichkeit“ traditionell- familiäre Beziehungsschemata überwinden kann.
Literatur: Ein Reader mit ausgewählten Texten wird im Copy-Shop `Copy-Star`, Zülpicher-Straße 184 ab 15. März 2018 ausliegen.