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Arbeitskreis 2: Unscharfe Erinnerungsbilder - Persönliches Erinnern und öffentliches Erinnern in der Nachkriegszeit. Parallelen und Kontroversen entdecken im Kontext von Biografieforschung.

Leitung: Ursula Pietsch-Lindt, M. A. und Hartmut Hautzel
Zeit/Ort: Montags, 12.00 - 13.30 Uhr in Seminarraum S 16, Seminargebäude, Albertus-Magnus-Platz
Beginn: 15. Oktober 2018
Erläuterung: Ab 2005 nimmt das öffentliche Erinnern an die Zeit 1933-1945, der Nachkriegszeit und ihre Folgen erst wieder einen breiteren Raum ein. Zahlreiche Tagungen und Veröffentlichungen namhafter Forscher/innen und Autoren/innen wie Aleida Assmann, Sabine Bode, Insa Fooken, Hannes Heer, Hartmut Radebold, Harald Welzer u.a. ermöglichen uns, diese Entwicklungsgeschichte des Erinnerns der so genannten Weltkriegskinder und Kriegsenkelkinder heute nachzuvollziehen. Die Intensität der persönlichen Erinnerungen an diese schweren Zeiten ist in den Familien aus mehreren Gründen sehr unterschiedlich. Zum einen kommt es darauf an, welche Erlebnisse man hatte, zum anderen, ob das Erlebte eher verschwiegen und verdrängt wurde oder ob die Erlebnisse erzählt und verarbeitet werden konnten. Auch wichtig ist in diesem Zusammenhang, in wie weit sich der Einzelne an seiner eigenen Vergangenheit interessiert ist. In unserem Arbeitskreis werden wir beispielhaft untersuchen, in wie weit die persönliche Lebensgeschichte mit der öffentlichen Geschichtsschreibung in Beziehung gesetzt werden kann und ob die Studentenbewegung 1968 dabei eine Rolle gespielt hat. Dazu soll eine systematische Unterscheidung von (Auto-)Biografie, Autofiktion, Lebenserinnerungen/Memoiren und Lebenslauf im Kontext von aktueller Biografieforschung beitragen. Darauf aufbauend, soll es um die mögliche „Beweiskraft“ der eigenen Lebensgeschichte gehen und welche Bedeutung dem autobiographischen Erinnern für den aktiven Konstruktionsprozess der eigenen (Alterns-) Identität zugeschrieben werden kann. Zum Vorgehen: Neben systematischer, wissenschaftlich angeleiteter Arbeit soll es in unserem Arbeitskreis auch einen moderierten Gesprächsraum für eigene Erinnerungen geben. In diesen können die Teilnehmer*innen Bruchstücke und/oder Momentaufnahmen persönlicher Lebensgeschichten entweder von sich selbst oder von ihrer Familie, einbringen.
Zusätzlich werden wir Verdichtungen der Erinnerungsthematik dieser Zeit auf dem Hintergrund literarischer Bearbeitungen diskutieren. Darüber hinaus sind persönliche Begegnungen mit einigen Experten der Erinnerungskultur wie Hannes Heer (Hamburg) und Aleida Assmann (Konstanz) geplant.

Literatur:
Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999
Ulla Hahn: Unscharfe Bilder. München 2007
Peter Heinl: Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg. Seelische Wunden aus der Kriegskindheit. München 1994
Joachim Krause: Fremde Eltern: Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933–1945. Beucha/Markkleeberg 2016
Hartmut Radebold, Gereon Heuft, Insa Fooken (Hrsg.): Kindheiten im Zweiten Weltkrieg. Weinheim/München 2006
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol. Reinbek bei Hamburg 2017
Ein Reader mit Textauszügen zur Biografieforschung und Kopien von Dokumenten wird ab 1.10.2018 im Copyshop Copystar vorliegen.