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Arbeitskreis 4: „Das Gedicht als Augenblick von Freiheit“ – Die Entwicklung deutschsprachiger Lyrik in den 50er und 60er Jahren

Leitung: Dr. Simone Scharbert
Zeit/Ort: Mittwochs, 12.00 - 13.30 Uhr in Seminarraum S 58, Philosophikum, Albertus-Magnus-Platz
Beginn: 16. Oktober 2019
Erläuterung: Hilde Domins Frankfurter Poetik-Vorlesungen aus den 80er Jahren stellen retrospektiv eine explizit poetologische Antwort auf Theodor W. Adornos Aussage dar, der zufolge nach Auschwitz keine Gedichte mehr geschrieben werden durften. Nahezu gegenteilig argumentiert die Lyrikerin in ihren Poetik-Vorlesungen, die das einzelne Gedicht auch als ein politisches Instrumentarium der persönlichen Freiheit verorten. Die lyrischen Verarbeitungen und Thematisierungen des Zweiten Weltkriegs sowie Exil- und Verlusterfahrungen sind zu Beginn der 50er Jahre unterschiedlich ausgeprägt, mehrheitlich aber immer wieder von der Suche nach neuen Sprach- und Ausdrucksmöglichkeiten gekennzeichnet. Kontroversen und Diskussionen dominieren den lyrischen Arbeitsprozess nach Ende des Zweiten Weltkriegs, allein Brechts Terminus „Gespräch über Bäume“ als Antwort auf die apolitische Natur-Lyrik eines Wilhelm Lehmann ist Auftakt für weitere Nachdichtungen und lyrische Prozesse, die sich mit gesellschaftspolitischen Entwicklungen ihrer Zeit auseinandersetzen. Das Seminar fokussiert die lyrischen Werke und deren Entwicklungen sowie die poetologischen Grundlagen vor den jeweiligen biografischen resp. Gesellschaftspolitischen Hintergründen von u.a. deutschsprachigen Schriftsteller*innen wie Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Hilde Domin, Günter Eich und Nelly Sachs. Im Mittelpunkt steht dabei immer auch die Frage, welche Haltung über Sprache eingenommen oder projiziert werden, wie Sprache – in Bezug auf Viktor Klemperers Notizbuch eines Philologen „LTI“ – im gesellschaftlichen Kontext instrumentalisiert werden kann und welche Bezüge und Fragen in Hinblick auf eigene subjektive Lesarten in unsere Gegenwart hineinragen.