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Erfahrungsberichte

Maria Kröger: Informationsveranstaltung Koordinierungsstelle: Gasthörer- und Seniorenstudium

Ich bin der Bitte von Frau Dr. Löhr auf der heutigen Informationsveranstaltung über meine Erfahrungen nach dem ersten Semester als Gasthörerin an der Universität zu  Köln zu berichten, gerne nachgekommen.

Als ich mir Gedanken gemacht habe, was ich heute erzählen will, stellten sich mir viele Fragen, wie z. B. „Womit fängt man an? Was lässt man weg? Was ist interessant?“ Ich habe mich dafür entschieden, dass jeder Bericht ein Erfahrungsbericht und damit subjektiv geprägt ist. Und dann ging es ganz leicht.

Als ich im Februar 2016 Geburtstag hatte und  der Ruhestand unmittelbar bevorstand, erhielt ich von meiner Tochter als Geschenk die Einschreibungsgebühr für ein Studium an der Universität zu Köln. Ich war begeistert. Ich spürte ein Prickeln für das Neue. Endlich sich mit Themen beschäftigen zu können, die mich immer schon interessierten, wie z.B. Geschichte oder Psychologie.
Mein Mann war entsetzt. Er kannte mich: Neue Herausforderungen bedeuteten für mich im aktiven Berufsleben immer mehr als hundert Prozent Einsatz. Er fragte sich offenbar: „Wo bleibt Zeit für mich“? Die beiden letzten Jahre musste er stark zurückstehen. Alle Erwartungen waren auf den Ruhestand gerichtet, der mehr Zeit, mehr Freiräume und mehr Ruhe versprach. Geeinigt haben wir uns dann so, dass ich mir wenigstens den Sommer freihalte und meine neuen Aktivitäten erst im Wintersemester 2016/17 entfalte. So ist es dann auch passiert.

Im WS 2016/17 habe ich mich dann auf den Weg gemacht. Die im Vorfeld zu regelnden bürokratischen Dinge waren nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, zumal sich so vieles im Vergleich zu vor mehr als 40 Jahren, als ich in Köln studiert habe, verändert hatte.

Alle Formalitäten konnten Online erledigt werden, was eine große Erleichterung war, wenn man die technischen Dinge beherrschte. Aber das gelang mir ziemlich schnell.
Die Broschüre der „Koordinierungsstelle Wissenschaft und Öffentlichkeit – Arbeitsbereich Gasthörer- und Seniorenstudium“ war hierbei und auch bei anderen Fragen sehr hilfreich.

Wenn man trotzdem nicht zurechtkommt, kann man auch bei den Mitarbeitenden der Koordinierungsstelle Hilfe anfragen, die gerne gegeben wird. Ich habe einmal davon Gebrauch gemacht und wurde sehr freundlich und zuvorkommend beraten.

Trotz langjähriger Berufserfahrung war der Beginn des Studiums zunächst mit Unsicherheiten verbunden. Um diese ein wenig zu reduzieren, habe ich im Vorfeld des Semesterbeginns alle Begrüßungs- und Informationsveranstaltungen sowie Rundgänge über den Campus genutzt. Besonders wichtig war für mich die Führung durch die Universitäts- und Stadtbibliothek sowie die Nutzung des Online-Katalogs. Ein gedrucktes Vorlesungsverzeichnis konnte ich nicht finden. Ich lernte schnell, dass es nur noch digital zur Verfügung steht. Die Einführung in das Online-Vorlesungsverzeichnis sollte man nicht verpassen. Ich konnte aus terminlichen Gründen leider nicht teilnehmen und musste mich dann autodidaktisch durch das Vorlesungsverzeichnis quälen. Dies war sehr aufwendig, und ich behaupte nicht, dass ich das Programm durchdrungen habe. Deshalb werde ich jetzt im SS 2017 an dieser Schulung teilnehmen. Sie ist auch deshalb wichtig, weil in dieser Veranstaltung auch eine kurze Einführung in das E-Learning-System ILIAS der Universität gegeben wird. Die Dozierenden stellen in diesem System vielfach Materialien zur Vorlesung zur Verfügung.

Nachdem ich so halbwegs mit dem Programm umgehen konnte, stellte sich die Frage: Was will ich denn studieren? Eingeschrieben war ich in der Humanwissenschaftlichen Fakultät, aber mit gewissen Einschränkungen kann man ja jede Veranstaltung besuchen.

Es war für mich eine Herausforderung, einen Überblick über das Angebot zu bekommen. Tagelang habe ich mich durch das Vorlesungsverzeichnis gewühlt. Ich glaube, es ist mir nicht gelungen, einen Überblick zu bekommen. Ich hatte zahllose Veranstaltungen, Vorlesungen etc. gefunden, die von Tag zu Tag mehr wurden. Als ehemalige Stadtentwicklerin war ich immer sehr breit aufgestellt und vielseitig interessiert. So habe ich in jeder Fakultät Angebote gefunden, die mich sehr interessierten. Ich hatte einen total überfüllten Stundenplan und musste zwangsläufig reduzieren. In diesem Zusammenhang habe ich mir auch die Frage gestellt, ob ich mich nicht doch für eine Fachrichtung entscheiden sollte. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich möglichst vielseitige Erfahrungen sammeln wollte.
Letztlich habe ich mir dann ein Potpourri an Veranstaltungen zusammengestellt: Ich habe an zwei reguläre Vorlesungen in Psychologie und Geschichte, an zwei Arbeitskreisen aus dem Bereich „Besondere Veranstaltungen zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums“ (AK 6:“ Kontexte sozialer Beziehungen im Alter“ und AK 1: „Hörüberraschungen, Hörirritationen, Hörfreude – Musik im 20. Jahrhundert“) und an zwei Ringvorlesungen (CERES-Ringvorlesung: „Der ganz normale Wahnsinn? Psychische Erkrankungen als gesellschaftliche Aufgabe“ und Institut für Wirtschaftspolitik: „Digitale Ökonomie“) teilgenommen. Mit diesen sechs Veranstaltungen war ich mehr als ausgelastet.

Zu Beginn des Semesters stellte sich mir immer wieder die Frage, ob ich mich als Gasthörerin für Veranstaltungen anmelden muss. Überall liest und hört man, dass dies nicht nötig ist, aber ich war skeptisch. In der Broschüre „Gasthörer- und Seniorenstudium“ liest man, dass für Gasthörerende grundsätzlich keine Anmeldepflicht besteht. Aber dies wird auch in jeder Fakultät unterschiedlich gehandhabt. Meine Erfahrung war, dass man genauso verfahren kann, wie es in der erwähnten Broschüre empfohlen wird. Ich habe mit den sogenannten Nachmeldungen keine Probleme gehabt; es hat immer geklappt. Wenn man Zugriff auf Vorlesungsunterlagen über ILIAS haben möchte, dann ist eine An- oder Nachmeldung unerlässlich. Erforderlich ist sie auch, wenn man an Veranstaltungen teilnehmen möchte, die eine begrenzte Teilnehmerzahl zulassen, wie z.B. Seminare, Übungen, Kolloquien u.a..

Ich habe mir die Frage gestellt, welche Ratschläge ich geben kann. Ich finde, das ist nicht ganz einfach, weil jeder mit neuen Herausforderungen anders umgeht. Dennoch will ich einige Tipps geben:

· Man sollte möglichst schnell versuchen, die bürokratischen Notwendigkeiten zu erledigen,

· dann die vielfältigen Führungen über den Campus und die Universitäts- und Stadtbibliothek mitmachen,

· angebotene Schulungen für die PC-Programme mitmachen und nutzen,

· den Kalender nicht zu voll packen mit Terminen. Ich hatte zu viele Veranstaltungen im Kalender stehen, so dass mir kaum Zeit geblieben ist für andere schöne Dinge des Lebens. Zu beachten ist, dass jede Veranstaltung auch nachbereitet werden sollte, wenn man einen Nutzen haben möchte.

· Wichtig ist, sich Freiräume zu erhalten. Deshalb werde ich im kommenden Sommersemester weniger Veranstaltungen besuchen.

· Mit allen Veranstaltungen und den Dozentinnen und Dozenten war ich hoch zufrieden. Es waren spannende Themen, die man sich in derselben Zeit autodidaktisch nicht aneignen kann.

· Die jungen Studierenden waren durchgehend sehr hilfsbereit und freundlich.

· Außerdem bietet die Universität auch ein vielfältiges kulturelles Angebot, von dem ich auch rege Gebrauch gemacht habe.

· Last but not least möchte ich auch den Verein zur Förderung des Gasthörer.- und Seniorenstudiums (fgs) nicht unerwähnt lassen. Der regelmäßig erscheinende Newsletter enthält immer wichtige und wertvolle Informationen.

Soweit meine Erfahrungen. Ich bin froh, dass ich nach der beruflichen Phase den Weg zur Universität gefunden habe. Die Anregungen sind vielfältig und herausfordernd. Es gibt nichts Schöneres!

März 2017

Anonymer Erfahrungsbericht zu der KLIPS-Informationsveranstaltung: „Märchen für Computer-Freaks“

Ein älterer Mensch macht seine ersten Schritte in einer riesigen Stadt (Computer-Welt).

Mit Mühe hat er den Stadtteil (Internet-Explorer) gefunden, den er erkunden will. Nun sucht er eine Straße (Zum Beispiel einen Teilschritt der Übung 1), eigentlich nur ein Haus dort (Ende der 1. Übung). Ausgerüstet ist er mit einem umfangreichen, farbigen Hochglanz-Plan (Ungefähr 70 Folien!!) – beeindruckend kompliziert. Voller Freude trifft der ältere Mensch einen jungen, freundlichen, qualifiziert ausgebildeten Lotsen, der extra für Neulinge engagiert wurde.

Der ältere Mensch fragt ganz schlicht: „Können Sie mir bitte sagen, wie ich die Straße x (Siehe 3 und 4, aber eigentlich: Erfolgserlebnis, Mini-Ruhephase) finde?“ Antwort: „Wenn Sie im Planquadrat x den Punkt y mit Punkt z im vorletzten Planquadrat oben links (nordöstlich) verbinden, dann vom Mittelpunkt eine senkrechte Linie nach xy ziehen … und so weiter – Vergessen Sie aber bitte bei Ihrer Suche nicht, jeden Zwischenschritt zu fixieren (Zum Beispiel Diskette, Laufwerk A) oder in einem neuen Ordner (Arbeitsplatz, Laufwerk C) abzuheften. Einzelheiten finden Sie in etwa 50 Seiten Erklärung zum Hochglanz-Stadtplan!“

Nach dieser detaillierten, unangreifbar exakten Antwort wendet sich der freundliche Lotse wieder Menschen zu, die schon differenziertere Fragen stellen können und auch schon Zusatzpläne (Zum Beispiel Aufgabe 2) haben.

Der ältere Mensch steht wieder allein da!! Nebel macht die riesige Stadt noch abweisender…

Eine Stimme aus dem off fragt den Lotsen plötzlich laut:
„Kennst Du die Zauberworte, mit denen Du all die unglücklichen Menschen erlösen kannst? Du musst nur wenig neu programmieren, um diese Zauberworte auf deinen Führungen durch die große Stadt erfolgreich anzuwenden. Suche nach diesen Zauberworten, sie sind Gold wert!“

Eine gute Fee flüstert dem Lotsen zu: „Die Menschin hat immer noch nicht das rettende Haus in der Stadt x gefunden, aber sie bleibt auf der Suche! Du machst ihr eine große Freude, wenn Du die Zauberworte aufschreibst. Aber denke daran, Du musst ihr mit der Schneckenpost antworten, denn sie besitzt noch nicht die elektronische Kutsche, mit der man seine Post in der neuen Stadt abholen kann.“

Dieter Ende: Erfahrungen eines Seniorstudenten

Ich möchte meine Erfahrungen gliedern nach vier (durchaus heiter gemeinten) Phänomenen:

1. Das Rollen-Phänomen

Mit dem Beginn des Seniorenstudiums vor zwei Jahren vollzog sich bei mir ein Rollentausch Ich hatte vor einigen Jahrzehnten Betriebswirtschaftslehre studiert, arbeitete als Projektleiter in einem Großunternehmen und war gewohnt Sitzungen zu leiten, kleinere aber auch größere. Musiker hätten mich den 'frontman' genannt. Nun wurde ich wieder mal Student, der (wie Sie hoffentlich bald) in den Reihen eines Hörsaals sitzt, konzentriert auf den 'frontman', den Herrn Professor am Pult, dem man zuhört und mangels eigener Erkenntnisse nie widerspricht, ein Wandel von der aktiven Rolle zu einer anderen Rolle, die vordergründig passiv ist, doch zu dieser scheinbaren Passivität später.

2. Das Generationen-Phänomen

Ich erinnere mich an meine erste Vorlesung, eine typische Veranstaltung für Erstsemester. Ich betrat einen der mittelgroßen Hörsäle, zwanzig ganz junge Frauen und Männer warteten schon, immer neue kamen, alle jung, sehr jung. Endlich kletterte ein Seniorstudent in die Mitte meiner Reihe. Ich grinste ihn an: "Toll, da bin ich ja nicht der einzige Seniorstudent." Er lachte herzlich: "Sie werden nie der Einzige sein!"

Er behielt Recht: In den großen Vorlesungen sind mindestens 20 % der Zuhörer Seniorstudenten, bei Professor N. gar 75 % und in seiner letzten Vorlesung nach der Zwischenprüfung waren es 90 %, insofern keine Angst! Sie werden nie der Einzige sein.

3. Das Creative-Writing-Phänomen

Ich hatte vor einigen Jahren angefangen zu schreiben, z.B. Kurzgeschichten und den Beginn eines Romans. Als "Schriftsteller" strebte ich nach Vervollkommnung, wollte mich üben in dem allumfassenden Thema CREATIVE WRITING. Das wöchentliche Drei-Stunden-Seminar war das intensivste Erlebnis in den vier Semestern dank einer engagierten Dozentin und vor allem dank der Zusammenarbeit von etwa zehn Junior- und fünf Seniorstudenten.
Doch bei den jungen Studenten gab es einen Konflikt: ihre Freude und Lust am eigenen Schreiben auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Pflicht, innerhalb einer gewissen Zeit "Scheine zumachen", Zwischenprüfungen zu bestehen und das Studium irgendwann mit dem Magister- oder mit der Lehramts-Prüfung zu beenden.
Dieser Konflikt stellt sich für mich als Seniorstudent nicht. Nicht ein Examen ist der Zweck meines Studiums, sondern der Stoff, das was ich höre.

4. Das Iphigenie-Phänomen

Ich gestehe, dass mich von Goethe bisher nur der Faust interessierte, auf keinen Fall seine Iphigenie auf Tauris. Doch im letzten Semester wurde ich gleich dreimal mit der heimwehkranken Priesterin Iphigenie konfrontiert.
· Professor Neuhaus beleuchtete sie in seiner Vorlesung aus dem Gesichtwinkel des Briefwechsels Goethe - Schiller
· Professor Mecklenburg erläuterte an ihr die Grundzüge und die Technik des Dramas und
· Professor Brenner demonstrierte an ihr in gedanklicher Schärfe das neue Menschheitsbild der Klassik, aber auch Mängel in seiner Verwirklichung.
Dabei entdeckte ich in mir ein neues Interesse, nicht das Interesse an diesem literarischen Werk Iphigenie sondern die differenzierte Beschäftigung mit dem Thema Iphigenie. Diese Form der wissenschaftlichen Bearbeitung übte auf mich eine enorme Faszination aus.
Ich suchte nach einer Beschreibung für dieses Interesse. Vor einigen Tagen fiel mir ein Büchlein in die Hand, Hermann Hesses Bekenntnis zur Bildung durch Literatur, ein fast perfekter Aufsatz für den Seniorstudenten der Germanistik und ein wissenschaftliches Buch, das nur 1,60 Euro kostet.
Ich zitiere Hermann Hesse: "So wie das Streben nach Kraft, Gewandtheit, Schönheit nicht irgendeinen Endzweck hat, [...] so ist auch das Streben nach Bildung, das heißt nach geistiger und seelischer Vervollkommnung, nicht ein mühsamer Weg zu irgendwelchen begrenzten Zielen, sondern ein beglückendes Erweitern unseres Bewusstseins, eine Bereicherung unserer Lebens- und Glücksmöglichkeiten."

Dass Sie von dieser Freude etwas erreichen, das wünsche ich Ihnen für Ihr Seniorenstudium!

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Waltraud Fistl

Neugierig und voll froher Erwartungen interessieren Sie sich für ein Gasthörerstudium - so ist es mir auch ergangen. Und ich darf gleich vorweg sagen, die frohen Erwartungen werden alle erfüllt, sofern man kleine selbstverständliche Regeln beachtet, z. B. nicht zu viel belegen, eher zu wenig, die jungen Studenten respektieren usw.

Mein Name ist Waltraud Fistl, ich bin....., Pardon, ich w a r Realschullehrerin für Musik und Englisch, habe mein Leben lang voll durchgepowered, bis ich nicht mehr durfte, will sagen, ich hatte die Altersgrenze erreicht.

Manchmal dachte ich, ob du auch in das berühmte große Loch fällst? Aber ich plante schon frühzeitig, sofort mit einem Seniorenstudium zu beginnen, darauf freute ich mich, und mir war dann ordentlich komisch zumute, als ich zum ersten Mal seit so langer Zeit wieder die Uni betrat, in der ich seinerzeit mein Englisch - Studium absolviert habe. Dieses euphorische Gefühl hat sich zu einem normal-alltäglichen gewandelt, denn zwei Jahre bin ich jetzt schon dabei, worüber Bekannte staunen, worüber i c h mich wiederum wundere. Warum sollte ich aufhören? Ich komme doch erst so richtig in Fahrt. Ich möchte noch lange weitermachen, auch, wenn ich manchmal ganz schön fertig nach Hause komme, hab ich doch für die Hinfahrt insgesamt 1 1/2 Stunden nötig, zurück dasselbe. Aber tief durchgeatmet und ab nach Köln! In der Bahn wird dann gelesen oder ein Nickerchen gehalten.

Gleich im ersten Semester habe ich eine Ringvorlesung in Physik belegt, zwar nur einen gewissen Prozentsatz verstanden, trotzdem war ich glücklich. Literaturvorlesungen bei Prof. Pape boten mir viel Leseanregung und -erfüllung. Und dann muß ich die Gesprächskreise besonders hervorheben, weil sie mir so gut gefallen. Am liebsten möchte ich viele belegen, aber man muß sich beschränken, s. oben! Ich habe Gesprächskreise bei Frau Pietsch-Lindt und Herrn Doktor Schäfer belegt, zuletzt auch einen bei Frau Linde Salber. Die Themen, die angeboten werden, sind außerordentlich vielseitig, und das Interessante ist, hier ist Mitarbeit erwünscht, sowohl mündlich, als eventuell auch schriftlich, also in einem Referat.

Ich ahnte nicht, dass mir letzteres Spaß machen würde und wollte mich auf keinen Fall dazu drängen. Dann aber machte ich ein dreitägiges Seminar durch, Thema "Wissenschaftliches Arbeiten", in dem man u. a. so manche Literaraturangaben zu dem Thema erhielt. Das hat mir sehr geholfen und mich motiviert, und ich habe kennengelernt, wie gut es tut, sich in ein Thema wochen-, ja monatelang so richtig zu vertiefen.

Übrigens kommt mir auch in der ganzen Uniarbeit sehr der Computer zugute, den ich seit gut zwei Jahren habe. Im Internet kann man zusätzlich phantastisch recherchieren und die vielen Anregungen, die man hier erhält, nutzen.

Ich habe weiterhin vor, einfach so für mich zu studieren, ohne irgendwelche Prüfungen und Abschlüsse - die hab ich doch hinter mir!

Es gefällt mir, dass hier alles sachlich, kompetent und wissenschaftlich angegangen wird. In den Gesprächskreisen gefällt mir das Herauskitzeln kleiner, bei andern womöglich großer Fähigkeiten, mit denen man sich dann mutig einzubringen versucht. Sehr wohltuend ist ein nettes Feedback seitens der Leiter der Gesprächskreise, die elegant unsere Unzulänglichkeiten oder Fehlschüsse umschiffen. Das imponiert mir immer wieder von neuem.

Bleiben wir dran und halten es mit Lao-Tse:
Lernen ist wie Rudern gegen den Strom.
Hört man damit auf, treibt man zurück.

Ich freue mich darauf, Sie in dieser oder jener Vorlesung oder in diesem oder jenem Gesprächskreis zu sehen.

Bis dann!

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Dieter Gissler: Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Seniorenstudium

Warum?
Nach Beendigung des Erwerbslebens arbeiten alle Organe des Menschen weiter, so als wäre nichts geschehen. Das wird allgemein akzeptiert, warum also sollte es sich beim Gehirn anders verhalten?
Damit wäre ein plausibles Argument für ein erneutes Studium zur Sprache gebracht, zu dessen Verwirklichung vor Eintreten des Ruhestandes zwar das Interesse, jedoch nicht die Zeit zur Verfügung stand.

Wie?
Im Gegensatz zum Erststudium, das ausschließlich der Berufsausbildung diente, sehe ich heute nicht das primäre Ziel darin, neues Wissen aufzunehmen. Die Befreiung von dem Diktat der für den angestrebten Beruf notwendigen (und vorgeschriebenen) Studienfächer legt es nahe, den Status eines Gasthörers zu wählen.

Was?
Nach einer rein naturwissenschaftlich ausgerichteten Ausbildung und Berufstätigkeit stand die Frage nach Vertiefung dieser Kenntnisse oder einem Neuanfang in einem bisher vernachlässigten Thema an. Ich entschied mich für letzteres. Nach einigem "Herumschnuppern" in den angebotenen Themenbereichen stieß ich schließlich auf ein interessantes Problem.
 
Eine Art zweites Leben!
Die Arbeit an der Uni gibt die Möglichkeit, an der Lösung eines Problems zusammen mit anderen Seniorstudenten* unter fachkundiger Anleitung durch Dozenten der Hochschule zu arbeiten. Und genau darin sehe ich das Erfolgserlebnis bei dieser Art von Beschäftigung. Wir leisten uns den "Luxus", nicht das Sammeln von Daten sondern den Dialog über neue Denkansätze als neuen Lebensinhalt zu betrachten.
 
Leben und leben lassen!
Nichts wird weniger gern gesehen und nichts ist überflüssiger, als die Uni mit der Absicht zu betreten, man könne hier seine persönliche Lebenserfahrung und -weisheit unter die Leute bringen. Wer diesen Drang verspürt, möge lieber einen Stammtisch gründen. Der Senior sollte im Gegenteil versuchen, selber Neues zu lernen.
 
... und zum Schluss ein kleines Lob!
In dem Bewusstsein, dass an der Kölner Universität ca. 60.000 Studenten eingeschrieben sind, schlich ich eher beklommen und einen unpersönlichen Bürokratenapparat erwartend zur Einschreibung. Inzwischen habe ich bei allen Kontakten mit offiziellen Organen der Uni, sei es den Lehrbetrieb oder auch die Verwaltung betreffend, nur die allerbesten Erfahrungen gemacht. Auch (oder gerade?) als Seniorstudent findet man eine sehr persönliche Atmosphäre vor.

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Jutta Geurten

Studieren im Alter wozu ?


Aus Neugier - weil Wissen verändert.  Wissen verändert mich und Wissen verändert die Welt.

Studieren heißt die Herausforderung annehmen. Etwas genau wissen wollen. Bereit sein, die Mauern der eigenen Vorurteile einzureißen, hinter denen es sich ja ansonsten bequem ruhen lässt. Studieren heißt wachsam bleiben und flexibel - immer auf dem Sprung - Neues zu erfassen. Tja und das hat dann Folgen: Sie verändern sich. Egal welche der verschiedenen Weisen eines Studiums Sie wählen, Sie werden sich verändern.

So jedenfalls habe ich mich in den vergangenen drei Jahren erfahren, seit ich an der Universität zu Köln studiere. Als ich anfing, hatte ich bestimmte Vorstellungen über ein Studium. Die Feststellung, dass ich kein Diplom und keinen Abschluss mehr würde erringen können, enttäuschte mich zunächst. Ich begann aber trotzdem und richtete mich zunächst einfach nach der Studienordnung, die für junge Studenten auch galt. Aber schon bald verließ ich den vorgezeichneten Weg und begab mich auf eigene Entdeckungstour. Ich begann meinen eigenen Fragen nachzugehen. Nicht wie ein Häuflein Philosophen, die im See schwimmend das Wasser suchen, sondern in dem ich in den Wissenbereichen von Fachleuten, wie in einem Steinbruch nach Fossilien suche um dann im eigenen Überlegen zu Schlüssen zu kommen.  So macht mir das Studium Spaß. Dass ich nicht einem vorgeschriebenen Studienverlauf folgen muss und keine vorgeschriebenen Prüfungen machen muss, habe ich als einen großen Vorteil erkannt.  Je nachdem aus welchem Wissenbereich ich Antworten brauche, dort suche ich.

Neben den Vorlesungen gibt es viele sehr gute Seminare in denen Fertigkeiten vermittelt werden, die man entweder zum Studieren oder zum Aufschließen eines Wissensbereiches benötigt.

Vorträge sind auch eine Möglichkeit sich einen Überblick über einen speziellen Forschungsbereich zu verschaffen.

Ganz besonders aber schätze ich das Angebot an Tagungen, Workshops und Kongressen, die man im Laufe eines Semesters wahrnehmen kann. Denn nicht alles interessiert mich so sehr, dass ich es gleich studieren möchte. Auf einem Kongress richten sich die Vortragenden zwar an ein Fachpublikum, aber sie tragen auch dem Umstand Rechnung, dass sie dem Publikum etwas mitteilen, was dieses noch nicht weiß. So verpacken sie also das Mitzuteilende in verständliche Happen. Aus den verschiedenen Vorträgen eines Kongresses erwächst dann so etwas wie eine übergreifende Meinung.

Ich mache Notizen zum Vortragsinhalt und zum Vortragenden. So kann ich mir später bei Bedarf  den Verlauf in Erinnerung bringen. Denn das ist auch eine Aufgabe des Studiums  - Erinnertes bewahren und sortiert für den Wiederzugriff bereitstellen. Eine Technologie des Brückenbauens fürs Erinnern! In den neuronalen Netzen nicht nur den Strömen folgen, sondern bewusst Brücken anlegen, mit denen man aus einem Bereich in einen anderen gelangen kann, ohne große Umwege. So habe ich mir einen Oberbegriff  STUDIUM geschaffen. In diesem sind vier Bereiche angelegt: 1. mit einem Fach als Studien-Schwerpunkt,  2. Vorträge und Exkursionen, 3. Tagungen, Workshops, Kongresse, 4.Arbeit im Förderverein für das Gasthörer- und Seniorenstudium.
 
Und noch etwas: als ich vor drei Jahren in die Stadt meiner Jugend zurückkam, kannte ich hier nur eine Handvoll Menschen. Als ich neulich etwas spät zum fgs-Vortrag über Buddhismus in den schon weitgehend gefüllten Hörsaal kam, stellte ich staunend fest, dass ich die Mehrzahl der Hörer erkannte.

Denn man trifft sich immer wieder auf dem Campus, zu den unterschiedlichsten Anlässen. Man tauscht Meinungen aus, debattiert oft heftig, hat Spaß miteinander...  Differenzen werden beim "jour fix" mit Kölsch gelöscht oder bei der "fgs-Kaffeepause" bei selbigem ausdiskutiert. Die unterschiedlichen Ansichten im Miteinander erörtern - ist Reichtum.

Wir sind die "Ewige Studenten " der ganz neuen Art !

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Ingeborg Gerlach

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Marita Graeff

Als Gasthörerin und Mitglied des fgs  - Verein zur Förderung des Gasthörer- und Senioren-Studiums - und möchte Ihnen kurz berichten, wie ich den Weg in die Universität zu Köln fand. Als Staubtuch schwingende Hausfrau spürte ich plötzlich einen starken inneren Drang, für mein geistiges Getriebe etwas tun zu wollen. Wie Zufälle doch eine Rolle spielen können:  Ich war umgezogen und in dem neuen Domizil wohnte ein angehender Student. Eines Tages berichtete er mir von einem an der Uni Köln stattfindenden Einführungs-Vortrag und ich möge doch mitfahren. D E R  Entschluss war sofort gefasst! So zogen wir gemeinsam los.  Für mich, die ich nie studiert hatte, eine  absolute Premiere.

Zunächst wählte ich einige Veranstaltungen aus Bereichen wie: französische Literatur, einen Russisch-Sprachkurs, in dem ich bald merkte, dass er viel zu hoch für mich war, ein  Germanistik-Seminar...  Schwelgte in meiner Entdeckung, stellte bald zeitliche Lücken zwischen den gewählten Kursen fest und suchte sie zu überbrücken, um nicht nach Hause fahren zu müssen.  D i e s e  Entdeckungsreise versetzte mich fast in einen Uni-Rausch!  Denn die weitere Fächerwahl überließ ich der Menge Studenten. Da, wo viele in einen Hörsaal strömten, muss es interessant sein, so dachte ich und z o g  mit a u f! Das Ergebnis war umwerfend, denn jetzt erweiterte ich mein Semester-Programm erheblich.  So hörte ich von O v i d  - wie Sie sicher wissen, nach Horaz der gefeierteste Dichter Roms -, von Sprache und Sprachentstehung bis hin zur  Körpersprache -  d i e wiederum soll wichtig sein für Vorstellungs-Gespräche  - und konnte gar nicht genug davon bekommen, denn es war alles sooo interessant!

Gegen Ende des Semesters wollte mein Geist einfach nicht mehr mitarbeiten...Nun gut! Es heißt zwar, m a n soll nicht so viele Fächer pro Semester wählen, geschadet hat es mir aber nicht.  Nein, es war eine wunderbare Erfahrung! Heute engagiere ich mich für den fgs und für die Freiwilligen-Börse der Universität zu Köln. Im Rahmen der Freiwilligen-Börse habe ich z.B. ehrenamtlich bei der Durchführung von Gremienwahlen der Universität geholfen. Außerdem arbeite ich in der Projektgruppe InitiativForum Generationenvertrag (IFG) mit.

Und werde auch weiterhin "am Ball" bleiben.

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Christine Grotensohn, Gasthörerin und Seniorstudentin

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einer kürzlich gemachten Erfahrung möchte ich meinen Beitrag als Seniorenstudentin im ersten Semester an der Uni zu Köln einleiten.
Stellen Sie sich vor: ein Seminarraum, etwa 20 Seniorenstudenten, wir sitzen um einen großen Tisch, es beginnt mit einer Vorstellungsrunde.
Ich heiße ... sind die einleitenden Worte - und jetzt übernehme ich mit meinen Daten den dort sprechenden Kommilitonen: Ich heiße Christine Grotensohn, bin 58 Jahre alt und war im wahren Leben Geschäftsführerin eines Verbandes im Gesundheitswesen ...

Im wahren Leben? Sind Sie auch darüber gestolpert? Ich bin es, und mit mir einige Kommilitonen/innen. Im wahren Leben? War die Berufstätigkeit das wahre Leben - und was ist das Leben jetzt? Fiktion?

Ich hatte Gelegenheit, nachzufragen, seine Antwort: Er habe nur die gängige Meinung wiedergegeben, wonach der Mensch nur in und mit seinem Beruf zähle, das müsse dann wohl das wahre Leben sein. Und er fährt fort, dass er dies eher provozierend meinte und er gerade jetzt eine ganz neue Lebensform entdecke: Die Freiheit, mit der er hier an der Uni lernen könne, was er möchte.
Und das ist es genau, was ich Ihnen mit meinem Beitrag schmackhaft machen möchte: die Freiheit und der Freiraum zu lernen, wie es für Sie gut ist.

Für mich war es wirklich ein riesiger Schritt, ein Gasthörerstudium zu beginnen, denn ich hatte mir nach meinem Schulabschluss vorgenommen: Nie wieder Schule, nie wieder Bildungseinrichtungen mit den Zwängen und dem Druck, wie ich sie erlebt hatte. Aber irgendwie schien mir das Lernen hier anders zu sein, und ich wollte es ausprobieren.

Die Sorgen vor schmalen Unibänken, überfüllten Hörsälen, vor mangelnder Konzentration meinerseits und vielleicht doch viel zu klugen und komplizierten Gedanken, denen ich niemals folgen konnte - ich habe in meinem 1.Semester Philosophie belegt - waren rasch verflogen. Denn: man sitzt recht gut in den Unibänken, sofern man einen strategisch guten Platz ausgesucht hat, einen überfüllten Hörsaal habe ich nur einmal erlebt, die Konzentration reicht gut für einein halb Stunden. Ja, und mit den klugen respektive komplizierten Gedanken halte ich es bisher so: Was ich verstehe, nehme ich mit, sauge es wie ein Schwamm auf - was mir unklar ist, lasse ich jetzt noch ruhen. Es wird sich wiederholen in anderen Vorlesungen, und wenn es dann wichtig für mich wird, werde ich es nachlesen und weiter verfolgen. Und das ist genau die Freiheit, die das Lernen für mich zu einer ganz neuen Erfahrung macht - kein Zwang, kein Druck, kein Abfragen. Nicht dass Sie mich falsch verstehen, es hat für mich nichts mit Beliebigkeit zu tun, das meine ich nicht, es ist vielmehr das selbstbestimmte Tempo, die selbstbestimmte Auswahl und damit die gelöste Stimmung, die das Lernen für mich hier kennzeichnet.

Zwei Vorlesungen pro Woche habe ich in meinem ersten Semester hier an der Uni wahrgenommen - das war zeitlich sehr gut handhabbar. Dazu habe ich in zwei Arbeitskreisen mitgearbeitet, das war deutlich zeitintensiver. Diese Arbeitskreise haben das Altern zum Thema: Der eine, von Herrn Prof. Meyer-Wolters geleitet, befasst sich mit Ratgebern zum Altern, eine spannende und umfangreiche Aufgabe, die wir im Wintersemester fortsetzen werden. Neueinsteiger sind herzlich willkommen.

Die andere Gruppe ist das IFG, das InitiativForum Generationenvertrag, ein von Seniorenstudenten geleitetes Forum, das durch einen wissenschaftlichen Beirat - vertreten durch Frau Dr. Haller und Herrn Prof. Meyer-Wolters - begleitet wird. Das IFG ist bereits vor fünf Jahren gegründet worden und aus ihm heraus sind zwei Kongresse von den Seniorenstudenten initiiert worden, 2003 mit dem Titel: "Alter(n) ist anders" und 2005 "Gelebte Träume - Facetten einer neuen Alter(n)skultur". In hochkarätig besetzter Runde wurden die Themen zwischen etablierten Wissenschaftlern, Jungwissenschaftlern, Seniorenstudenten und Gästen diskutiert und kommentiert.

Und jetzt folgt der Werbeblock in meinem Beitrag:
Das IFG wurde von seinem Gründer als das "Forum zum Querdenken" beschrieben, und als solches zeichnet es sich aus. Aber alles, was ich Ihnen nun weiter über die zurückliegenden Jahre berichten könnte, sind nur Berichte aus zweiter Hand, denn ich bin erst seit Mai dieses Jahres dabei. Deshalb empfehle ich Ihnen zum einen die beiden aus den IFG Kongressen verfassten Bücher mit den jeweiligen Kongresstiteln. Sie sind - und das ist nicht ganz zufällig - hier oder in der Koordinierungsstelle zu beziehen. Was ich Ihnen aber aktuell über das IFG sagen und empfehlen kann ist, dass Sie mitmachen können. Wir können weitere interessierte und querdenkende Seniorenstudenten gebrauchen, denn wir haben einen dritten Kongress im Blick - und da gibt es viel zu tun.  
Ende des Werbeblocks.

Sosehr ich hier versuche, Ihnen meine Begeisterung zu vermitteln und Ihnen einen Studiengang ganz nach Ihrer Wahl - und das ist das Entscheidende - schmackhaft zu machen, so möchte ich doch die Risiken und Nebenwirkungen eines Seniorenstudiums nicht verschweigen.

Als solche Nebenwirkungen fallen mir ein: Vielleicht entwickelt sich Ihr wohlgeordnetes Leben ein wenig in studentisches Leben, dazu ein bisschen Chaos in der Wohnung, aufwändige Menüpläne verwandeln sich möglicherweise hin zur Wiederentdeckung des Butterbrotes, z.B. wenn die Vorlesungen zu dicht aufeinander folgen. Auch könnten Sie häufiger zur Flasche greifen, zur Wasserflasche versteht sich, die sich bei Vorlesungen um 14 Uhr - einem absoluten Tiefpunkt für mich - bewährt hat. Vielleicht werden Sie auch das eine oder andere unterhaltsame Buch gegen eines Ihres Themengebietes austauschen müssen - aber das alles sind tolerable Risiken und Nebenwirkungen, wie Sie mir sicher zustimmen werden.

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Gisela Hartwig

1. Entschluß und Umsetzung

Zeitlebens, durch alle Veränderungen desselben hinweg, hielt sich in mir ein Gefühl des Unerfülltseins. Als sich mit dem 60. Lebensjahr die Rente ankündigte, tat sich daraus ein schier unglaublich tiefer Hohlraum auf. Nicht nur die Arbeit entfiel, sondern auch die jahrzehntelangen Verpflichtungen meines "zweiten Lebens" das dem Sport gehörte und damit die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Wißbegierig war ich schon immer. Alles Neue, das man medial erfahren konnte, beriet ich mit meinen Kindern. Den ersten Anlauf nach der Familienphase, ein Studium aufzunehmen, machte ich 1986. Leider musste ich durch familiäre Gründe von der schon erfolgten Immatrikulation an der KFH Köln zurücktreten.

Ende 2000, ungebunden stand ich also vor der Frage: "Traue ich mir ein Studium zu oder nicht?" Die recht bodenständige Antwort meines Sohnes lautete: "Wenn Du es nicht probierst, wirst Du es nie erfahren." Mit einiger Unsicherheit tauchte ich in der Koordinierungsstelle für das Gasthörer- und Seniorenstudium auf und wurde gut und umfassend beraten, auch wurde die unterschwellig vorhandene Angst behoben; ein "Gaststudium" war doch gar nicht so verpflichtend. Das Wintersemester 2001 veränderte mein Leben.

2. Verlauf der ersten Semester

Politik beschäftigte mich schon immer und ich belegte kühn die Vorlesungen über Grundzüge der Europäischen und internationalen Politik. Dann wurde ich mutiger, las das Vorleseverzeichnis akribisch durch, um möglicherweise auf neue Interessensgebiete vorzustoßen und fand mich dann bei den Erziehungswissenschaftlern in ordentlichen Seminaren über Kunst und Modegeschichte wieder. Mit jungen Leuten zusammen in einem Raum zum Hören und Lernen zusammen zu sitzen war und ist für mich ein ganz erstaunlich belebendes Gefühl. Ich bewundere die jungen Leute, sie haben ein gewaltiges Lernpensum. Während der ersten Semester habe ich die Notizen aus den Vorlesungen zu Hause in den PC getippt. Es gestaltete sich als ein ganz gehöriger Zeitaufwand. Einige Semesterarbeiten lieferte ich ab, als ich merkte, dass dies für eine Gasthörerin möglich ist. Die sich daraus ergebende Anerkennung machte mich zufriedener, als ich vorher gedacht hatte.

Innerhalb der vergangenen Semester hat sich mein Interesse auf Sozialpolitik konzentriert. Der Werdegang unserer Gesellschaft liegt mir am Herzen. So habe ich vergangenes SS meinen Schwerpunkt auf "Migration" gelegt.

Nicht zu vergessen sind die Arbeitskreise, die von der Koordinierungsstelle für das Gasthörer- und Seniorenstudium angeboten werden. Manchem Lernwütigen mögen diese als Plauderstündchen erscheinen, jedoch für mich sind sie immer wieder Augen- und Ohrenschmaus. Es ist schon interessant, welche Blickwinkel sich aus so einfachen Titeln, wie "Die Farbe Blau", "Islam und Christentum", "Mütter" oder "Gedächtnis" eröffnen.

3. Konstanten

Außer den, schon erwähnten wechselnden Arbeitskreisen, sind dies für mich die Besuche des ASTA-Kinos sowie Musikveranstaltungen in der Aula, die immer außergewöhnliche Hörgenüsse darstellen. Die Angebote für den Sport an der Universität kann man nicht genug loben. Man kann ebenso Segelfliegen, Tauchen, Reiten wie Bauchtanz und viele Sportarten mehr lernen. Mir fehlt noch die Teilnahme am jährlichen UNI-Lauf.

Eine besondere Konstante hat sich aus meinem Interessensgebiet ergeben: die Teilnahme am sogen. IFG (Initiativ Forum Generationenvertrag). Gasthörer/Innen und Seniorenstudierende wollen innerhalb des Rahmens Wissenschaft etwas gesellschaftsrelevant ändern. Auch dort gestaltet sich die Mitarbeit zunehmend interessant.

Nicht zu vergessen sind die PC-Kurse, die das Rechenzentrum anbietet! Blutige Anfänger werden zu Könnern und ohne die moderne Technik wären man als Student/In blamiert.

4. Zielrichtung

Die Möglichkeit, sich als Gast an der Universität aufhalten zu können, eröffnet einen ganz entspannten Blickwinkel auf das gesamte Geschehen, nicht nur das der Lehranstalt. Es erhebt sich die Frage, ob tatsächlich immer ein Ziel anvisiert werden muß, oder ob nicht schon der Weg, den man im Leben geht, zielgerichtet ist. Ich klettere gern auf hohe Berge. Wenn ich oben bin, blicke ich auf noch mehr Berge.

So hat sich für mich innerhalb der vergangenen fünf Jahre ergeben, dass ich eine zweijährige Multiplikatorenausbildung für Sozialgeragogik ("Robert-Junck-Preis" 2005) absolviert habe, tätige Mitarbeiterin im Seniorennetzwerk meines Stadtteiles bin und für 2006 werde ich als Seniorenvertreterin im Stadtrat kandidieren.

So hat sich der Gastaufenthalt an der Universität für mich zu einem bunten Reigen aus Lehre, Wissen und praktischer Wirklichkeit gestaltet, die ich nicht missen möchte.

Dem Rat meines Sohnes sei Dank und ebenso den Dozenten und Mitarbeitern der Universität.

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Marlies Herrmann

Zu Beginn des Wintersemesters 2003/2004 besuchte ich als erstes das Kunsthistorische Institut. Es gab die Möglichkeit, dass ich an einem Pro-Seminar teilnehmen konnte. Im Rahmen dieses Seminars wurde eine Exkursion zum Brühler Schloß und zu der Hofkirche angeboten. Vier Stunden dauerte die Führung. Alle Teilnehmer waren sehr interessiert und diszipliniert. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch an Vorlesungen in Kunstgeschichte, Archäologie, Geografie und Geologie habe ich teilgenommen.

2004 wurde ich Mitglied im Verein zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums (fgs) und freute mich über die vielen Exkursionen des fgs, die meine Freizeit bereicherten.

2006 trat Herr Dr. Frohberg, der bis dahin die Exkursionen für den fgs organisierte, von seinem Amt zurück. Es wurde ein Nachfolger gesucht. Weil ich diese Einrichtung sehr gut fand, habe ich mich bereit erklärt, dieses Amt zu übernehmen. Im Semester werden vom fgs ca. 20-25 Exkursionen angeboten. Themen sind u.a. Besichtigungen von Museen, Ausstellungen, Forschungseinrichtungen an dieser Universität und vieles mehr. 

Ich habe mich auch schon mal selbst gefragt, was ich ohne das Gasthörerstudium machen würde. Nie hätte ich gedacht, dass sich mein Leben in zunehmendem Alter so positiv gestalten würde.

In den vergangenen zehn Jahren habe ich an der Universität zu Köln viele nette Menschen kennengelernt, die gleiche Interessen hatten, und viele Kontakte wurden geknüpft.

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Ellen Kriechel

Nach vorzeitiger Beendigung meiner Tätigkeit als Anwältin suchte ich eine neue Aufgabe. Nach kurzer Zeit kam ich auf die Idee, meinen längst vergessenen Wunsch wieder zu studieren,  aufzugreifen. Kurz vor Beginn des Wintersemesters 2011/2012 kaufte ich mir ein schriftliches Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn, da ich in der Nähe von Bonn wohne. Das Angebot war unüberschaubar, weil ich mich noch nicht auf einen Studiengang festgelegt hatte. Ich interessierte mich von je her sowohl für Psychologie, Politikwissenschaften, Geschichte und Kunst.

Dann fiel mir durch Zufall das dünne Vorlesungsverzeichnis für das Gast- und Seniorenstudium der Universität Köln in die Hände. Es wird herausgegeben von der Koordinierungsstelle für das Gasthörer- und Seniorenstudium. Hierin fand ich auf Anhieb Arbeitskreise, Exkursionen, Projektgruppen und Computerkurse speziell für Gast- und Seniorenstudierende. Ich meldete mich zunächst für den Anfängercomputerkurs an, der vom Verein zur Förderung des Gasthörer– und Seniorenstudiums veranstaltet wurde. Ohne diesen Computerkurs hätte ich der Vorlesung „Einführung in die Psychologie“ von Prof. Dr. Fetchenhauer kaum folgen können. Ich hätte die Vorlesungsfolien gar nicht herunterladen können, um die Vorlesung vor-und nachbereiten zu können.

Wichtig war für mich im Übrigen, dass ich vor allem zu Anfang, als ich noch keine persönlichen Kontakte zu anderen Studenten hatte, bei der Koordinierungsstelle anrufen konnte und von dort Hilfe bekommen habe. Egal, ob ich ein Codewort zum Herunterladen nicht notiert hatte oder das Ausfallen einer Vorlesung bestätigt haben wollte. Ich erhielt immer eine Auskunft, oder einen Ansprechpartner genannt, an den ich mich wenden konnte.

Wichtig war für mich ferner das schriftliche Vorlesungsverzeichnis für das Gasthörer-und Seniorenstudium, das in der Koordinierungsstelle ausliegt, denn mit dem allgemeinen online Vorlesungsverzeichnis konnte ich zu Anfang überhaupt nicht umgehen.

In diesem Vorlesungsverzeichnis sind die von der Koordinierungsstelle und dem Verein zur Förderung des Gasthörer-und Seniorenstudiums (fgs) angebotenen Arbeitskreise, Gasthörer-Projektgruppen sowie Computerkurse mit den entsprechenden Ansprechpartnern und Telefonnummern verzeichnet. Es wurden im letzten Semester u.a. die Arbeitskreise:„ Richard Wagner u. Giuseppe Verdi“, „Der Kölner Dom“ sowie „Dokumentarische Fotografie“ angeboten.

Darüber hinaus wurden vom fgs auch zahlreiche Exkursionen organisiert, wobei mir die Museumsbesuche mit qualifizierten Führungen sehr gefallen haben. Bei diesen Veranstaltungen habe ich auch andere Kommilitonen kennengelernt, die meist schon länger studierten und mir gute Tipps gaben.

Auch über den Verein zur Förderung des Gast-und Seniorenstudium selbst habe ich weitere persönliche Kontakte knüpfen können, die mir das Leben an der Universität sehr erleichtert haben.

Das hierdurch angebotene Netzwerk stellte sich insbesondere zu Anfang als sehr hilfreich dar.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mir der Start an der Universität zu Köln mit Hilfe der Koordinierungsstelle sowie des Vereins zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums sehr erleichtert worden ist.

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Horst-D.Landefeld: Vier Erfahrungsberichte

HLandefeld(at)t-online.de

1. Gasthörerstudium und die Familie

Nicht nur nach meiner Meinung lebe ich in einer ganz normalen Familie. Unsere beiden Kinder sind verheiratet und wohnen in unserer unmittelbaren Nähe. Mit den Jahren ist die Zahl unserer Enkel auf fünf gestiegen. Alle sind gesund und munter, wenn man von den Enkeln ausgeht sogar sehr munter. So freuten meine Frau und ich uns auf einen "wohlverdienten" Ruhestand. Endlich Zeit für größere gemeinsame Reisen, für die Enkel, deren Eltern würden bestimmt nichts gegen eine Entlastung einzuwenden haben, Zeit für unseren recht umfangreichen Bekanntenkreis, auch im Haus und Garten ist einiges auf später geschoben worden. Ich könnte die Aufzählungen noch fortsetzen, aber man sieht sicher schon so, von "Ruhestand" kann da kaum die Rede sein.

Da fiel mir ein Zeitungsartikel im Kölner Stadtanzeiger über unser Seniorenstudium in die Hände. Der Einführungsvortrag von Herrn Hartmut Meyer-Wolters war studienanregend. Meine Frau hatte gegen ihren Studenten nichts einzuwenden, auch die Kinder fanden es gut, daß ihr Vater und Opa noch zur Uni ging, so habe ich mich dann in Köln eingeschrieben. Von Freunden bekam ich prompt eine Schultüte geschenkt, über den Inhalt schweigt des Sängers Höflichkeit.

Zunächst doch recht unsicher, besuchte ich nur die besonders für Senioren und Gasthörer angedachten Gesprächskreise. Schon hier lernt man viele gleichgesinnte Kollegen kennen, die einem mit guten Tips Appetit auf mehr machen. - Eigentlich müßte man jetzt ja Kommilitonen sagen, aber mir kommt das immer noch etwas hochstaplerisch vor. - Zudem taten sich, zumindest bei mir, große Wissenslücken auf, die gestopft werden wollten, was nur mit einigermaßen sorgfältigen und gründlichen Nachbearbeitungen der Vorlesungen möglich war. Nicht zuletzt muß man die vielen neuen Querbindungen erwähnen, die sich bei jeder neu gewonnenen Erkenntnis auftaten.

Man sieht sicher schon an diesen Ausführungen, daß meine Frau mit gewisser Berechtigung, das Einhalten unserer gemeinsamen Ruhestandspläne einfordert. Ebenso wie die Enkel, wenn sie mich mit der Aktentasche sehen, vorwurfsvoll feststellen: "Na, gehst du wieder zur Uni" - eine sagte bis vor kurzem immer noch Uno statt Uni. Im Garten wächst das Unkraut, der Wasserhahn tropft weiter still vor sich hin, und größere Reparaturen am Haus werden immer dringender. Ich vertröste auf die Semesterferien, und verspreche im nächsten Semester nur noch höchstens eine Vorlesung zu besuchen. Doch das nächste Vorlesungsverzeichnis kommt bestimmt --- und mit ihm die große Versuchung!

2. Das Gasthörerstudium und ein Vorurteil

Nicht für alle stand am Anfang ihres Berufes ein Universitätsstudium, deshalb ist für viele das Gasthörer- und Seniorenstudium ein völlig neuer Anfang. Es würden sicher noch mehr den Weg zur Uni wagen, wenn man nicht immer mit dem gleichen Vorurteil zu kämpfen hätte.

Unsere Hochschulen sind überfüllt, wirkt da ein Studium, nur aus Lust und Laune, nicht sehr provozierend?

In übervollen Hörsälen der Numerus - clausus Fächer werden kaum Hobbystudierende zu finden sein. Ein Laborplatz darf gar nicht erst belegt werden, so bleiben oft nur die Vorlesungen, die sich für ein Studium generale eignen. Die wiederum für Studenten, die Scheine sammeln müssen, meist uninteressant sind. In Seminaren, die nur nach Rücksprache mit dem jeweiligen Dozenten besucht werden sollten, gilt eigentlich auch, daß der ordentlich Studierende immer Vorrang hat. Besonders, wenn die Zeit am Ende eines Semesters drängt, und jeder sein Referat loswerden möchte. Zudem glaube ich, daß die in Köln so beliebten Arbeits- und Gesprächskreise sehr zur Entlastung des normalen Studienbetriebes beitragen. Aus Ansprachen des Rektors und des Kanzlers der Universität ist ebenfalls zu entnehmen, daß wir kein lästiges Anhängsel sind.

Eine Frage könnte berechtigt sein: Wie sehen uns unsere jungen Kommilitonen?

Öfters habe ich gesehen, wie Studierende freudig ihren ehemaligen Lehrer in unseren Reihen erkannten, und es so zu beidseitigen freundlichen Begrüßungen kam.

Wie alt muß der noch rüstige Kollege sein, der sich plötzlich verabschiedete, weil er mit seinem Enkel in der Mensa zu einer Tasse Kaffee verabredet war.

Nicht nur mir ist aufgefallen, daß das Aufhalten der Pendeltüren für nachkommende Kommilitonen nicht gerade eine Stärke unserer Jugend ist. Richtig erstaunt ist man fast jedesmal, wenn wir Alten mit gutem Beispiel vorangehen, mit dem Resultat, daß die für uns doch immer noch selbstverständliche Tat einen Dominoeffekt auslöst, zur Freude aller Nachfolgenden.

Ein Fall, der zu denken geben soll, ist das Referat eines Seniors, zu dem er seine ganze Familie (Frau mit zwei Kindern) angekarrt hatte, die dann den Vortrag von einer 3/4 Stunde über sich ergehen lassen mußten.

Auf dem Weg zur Uni wurde ich von einem plötzlichen Regenschauer überrascht. Eine junge hübsche Studentin bot mir einen Platz unter ihrem Schirm an. Seitdem wundert meine Frau sich, daß ich immer ohne Schirm aus dem Haus gehe.

Mit einer Krawatte ausgestattet, wurde ich prompt mit Herr Professor gegrüßt, und höflich wurde mir die Türe aufgehalten, nun suche ich natürlich in der ganzen Uni nach meinem Pendant.

Unsere Kinder sind mit einem emeritierten Professor befreundet, bei dem auch ein Dozent unseres Gesprächskreises studiert hatte, und der darauf heute noch großen Wert legt. Ich kann nicht mehr genau rekonstruieren, wie da Verbindungen bekannt wurden, aber ich bekam über die Kinder plötzlich passende Lektüre zu meinen Vorlesungen und Reisebeschreibungen für eine gerade geplante, nicht ganz alltägliche Reise.

So gibt es noch viel Erfreuliches, manches Mal auch Ärgerliches aus dem Alltag "unserer" Universität zu berichten.

Aber machen Sie selbst Ihre Erfahrungen --- es lohnt sich bestimmt!

3. Meine Erfahrungen mit dem Gasthörerstudium

Der Weg ist das Ziel -- obwohl man mit Zitaten vorsichtig sein sollte, ist mir nichts eingefallen, was das Gasthörerstudium treffender beschreibt. Wir sind alle auf dem Weg, aber keiner von uns kann das Ziel definieren.

Die erste Erfahrung, die Sie wahrscheinlich machen werden, ist die Bekanntschaft mit der Freiheit. Wann in Ihrem Leben konnten sie ohne jeglichen Zwang, ganz nach Ihren Wünschen, einen eigenen Lehrplan zusammenstellen, der Ihren Neigungen zu entsprechen scheint? Gleich welches Vorleben Sie hatten, es waren immer Regularien und Zwänge denen Sie sich zu unterwerfen hatten. Trotzdem werde Sie den kleinen roten Faden vermissen, der uns fast immer vorgegeben war, und dem wir mehr oder weniger eifrig, mit unterschiedlichem Erfolg nachjagten. Und jetzt? Nehmen Sie doch einfach das Vorlesungsverzeichnis oder zuerst das kleine gelbe Faltblatt mit den Informationen für Gasthörer --- und wählen Sie!

Dabei hilft Ihnen eine Eigenschaft, die Sie unbedingt mitbringen sollten --- es ist die Neugier, eine möglichst vorurteilsfreie aber grenzenlose Neugier. Wie eben schon angedeutet, vielleicht sind die Arbeits- und Gesprächskreise der geeignete Anfang. Garantiert finden Sie hier gleichgesinnte, die Ihnen weitere Vorlesungen und Dozenten empfehlen können. Vorurteilsfrei werden wir unser Studium sowieso nicht beginnen können, haben uns doch viele Erfahrungen und deren Erkenntnisse geprägt.

Wir werden von der philosophische Fakultät auf der ersten Strecke unsers Studium generale betreut. Leider sind wir hier schon, bedingt durch eine ganz andere Berufswelt, stark abseits verdächtig. Ich jedenfalls, bedauere heute noch den Dozenten, der mich im ersten Semester in die Gedankenwelt eines Sören Kierkegaard einführen wollte. Auch ist es mir immer noch etwas unangenehm, wenn frühere Kollegen nach meinen gerade belegten Vorlesungen fragen, denn staunende Ablehnung ist mir da ziemlich gewiß, so murmele ich etwas von Evolutionsbiologie, und ich bin dann meist vor weiteren Fragen sicher.

Im Moment ist ja gerade in Fachkreisen eine große Diskussion im Gange, daß an den Universitäten zu sehr der alten philosophischen Lehre gehuldigt würde. Wenn Sie sich nur das gelbe Blatt ansehen, werden sie erkennen, daß hier gebrauchsfertige Alltagsphilosophie gelehrt wird. Andererseits habe ich unter anderem bei Frau Ursula Pietsch-Lindt:" Herder, Über den Ursprung der Sprache", und bei Frau Miriam Haller: - "Kant und die Geschichtsphilosophie" gehört, was mir keineswegs geschadet hat, sondern mich wahrscheinlich für Probleme, die über den Alltag hinausgehen, sensibilisierte.

Schwierigkeiten habe ich mit den Arbeitskreisen, bei denen sofort am Anfang darauf hingewiesen wird, daß das Thema nicht zu einem Abschluß zu bringen ist, sondern nur zu einer gewissen Annäherung. Vielleicht denke ich da auch noch nicht wissenschaftlich genug. Im Alltag jedenfalls war das ganz anders, ein Problem ohne Abschluß, ist immer ein gescheitertes gewesen.

Angenehm empfinde ich es, wenn zu den Vorlesungen ein Begleittext angeboten wird, was unter anderem den Vorteil hat, daß für Ihr Umfeld nie mehr die Frage auftaucht: Was soll ich schenken? Eher wird es ein Problem für Sie, denn Ihr Bücherschrank muß vergrößert werden.

4. Zehn Jahre Gasthörer an der Universität zu Köln.

Im Herbst vorigen Jahres erhielt ich eine Einladung zum 10 jährigen Bestehen unseres Vereins zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums an der Universität zu Köln, kurz FGS genannt. Erstaunt war ich, als unter anderen auch mein Name als ein Gründungsmitglied genannt wurde.

Bin ich schon 10 Jahre dabei? 10 Jahre, dass sind 20 Semester, gut, ich habe schon einmal ein Semester wegen ausgedehnter Ferienreisen geschlabbert, aber der Zeitraum bleibt unwiderruflich stehen. Mir fällt bei dem Wort Gast - hörer auf, man schätzt doch meist an einem Gast, dass er nicht lange bleibt. So werden die neuen Studenten Jahr für Jahr jünger, selbst bei den nachrückenden Gasthörern sind meine 10 Jahre Uni nicht zu übersehen. Trotzdem bemerkte neulich eine Seniorin diesbezüglich: "Ich kann mir nicht helfen, aber als ich in deren Alter war, sah ich doch noch bedeutend jünger aus."  Wir können unserm Alter nicht entweichen. Der Vergleich mit der sich öffnenden Schere ist da sicher treffend.  

Was war am Anfang? Hier traf ich noch unsere Tochter in ihrem letzten Semester. Damals habe ich an einem Seminar meines Schwiegersohns teilgenommen. Ich durfte sogar einen alten Projektor bedienen, der heute sicher längst einem modernen Beamer gewichen wäre. Auch unser Sohn ist zumindest dem FGS kein unbekannter, hat er doch vor einigen Jahren für die Seniorstudierenden und den FGS ein Minirechenzentrum installiert, dass leider, wegen den dann anderweitig gebrauchten Räumlichkeiten, geschlossen wurde. Wenn ich jetzt in die Zukunft sehen könnte, würde es sicher nicht nochmals 10 Jahre dauern, und meine ersten Enkel tauchen hier an der Uni auf. Natürlich hoffe ich dann, dass ihnen ein Treffen mit ihrem Opa nicht peinlich ist, aber mit der Kinder-Uni wurde ja schon ein viel versprechender Anfang gemacht.

Ich will auch nicht so tun, als wäre ich einer der Ewigen, ich kenne mindest ein Dutzend  Senioren, die schon vor mir die Hörsäle bevölkerten. Hier ist zu erwähnen, dass jetzt wohl die meisten miteinander befreundet sind und auch immer noch den Kontakt zu längst abgewanderten Dozenten aufrechterhalten. Es ist natürlich, dass ich in meiner Zeit viele Kommilitonen kommen, aber auch gehen gesehen habe, was dann leider oft nicht immer freiwillig war.

Spätestens jetzt ist ein Dankeschön an meine Dozenten fällig. An erster Stelle steht da die Koordinierungsstelle mit ihren Mitarbeitern, Frau Haller und Frau Pietsch-Lindt unter der Leitung von Herrn Meyer-Wolters. Ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, dass auch ihnen die Lehrtätigkeit mit uns Senioren Spaß macht. Im normalen Lehrbetrieb ist es jedenfalls nicht üblich, dass die Fehlstunden freiwillig nachgeholt werden. Genauso die Frage, womit wir uns im nächsten Semester beschäftigen sollen. Ist unsere Wahlfreiheit nicht auch ein Hinweis an das flexible Wissen unserer Dozenten? Je nach Thema dürfen wir auch Literaturvorschläge machen. Aber bedingt durch unsere unterschiedlichen Vorkenntnisse, fallen die doch oft sehr different aus. Wenn ich ehrlich bin, gelingt es oft, ein Buch, was ich vorher bestimmt nicht gelesen hätte, interessant zu reden. Anderweitig möchte ich mir das Recht auf meine Meinungsfreiheit nicht nehmen lassen. Sollte es in den Arbeitskreisen  zu Stockungen kommen, meist weil wir uns nicht genügen vorbereitet, oder nicht mitgedacht haben, nie gibt es den erhobenen Zeigefinger, sondern mit unendlicher Geduld wird über die, für uns doch etwas peinliche Situation, hinweg geholfen.

Hinweisen möchte ich auf die verschiedensten Projektgruppen und ihre bemerkenswerte Produktivität - auch hier liegt die Steuerung bei der Koordinierungsstelle.

Nicht zuletzt muss ich Herrn Günther danken, seine Evolutionsbiologie hat mich das ganze Studium begleitet, und die lockeren Ehrenfelder Gespräche waren und sind eine wohltuende Abwechslung. In all unseren Arbeitskreisen beeindrucken mich, die meist fundierten Fragen und Antworten meiner Mitstreiter, oft kann ich da nur staunend zuhören.

Erst kürzlich wurde darauf hingewiesen, dass ein Seniorenstudium uns durchaus verändern könne. Ich sehe ebenfalls eine Gefahr, denn wenn wir uns ändern, bleibt unser Umfeld meist  das alte, was nicht nur im familiären, sondern auch im erweiterten privaten Bereich, zu Spannungen und Komplikationen führen kann, was dann besonders von unserer Seite eine Portion Feingefühl verlangt.

Persönlich habe ich immer noch Probleme mit der Philosophie. Wie man es auch dreht und wendet, der weitaus größte Teil unseres Lebens liegt hinter uns. Für uns alle ist es ein Leben mit Höhen und Tiefen, wobei ich hoffe, dass auch sie sagen können, die Höhen  überwiegen.

Was kann oder soll da eine  - Philosophie, als Bewusstsein des Nichtwissens (Sokrates) oder eine Wissenschaft der Vernunft (Hegel) noch ändern?

Rechnen Sie bitte nach, wie lange ich noch leben muss, um ein Buch von 350 Seiten zu verstehen, wenn in einem Semester nur ein Kapitel von ganzen 12 Seiten eingehend gelesen und besprochen wird. Zudem wurde gleich am Anfang darauf hingewiesen, es könne möglich sein, dass selbst dieses kurze Kapitel in diesem Semester nicht zu schaffen sei. Trotzdem faszinierte mich die geschickte, ausführliche Auslegung, und wie ein großer Teil der Studenten mitarbeitete. In einem Arbeitskreis bei Herrn Meyer-Wolters hatten wir uns das Buch "Sinn des Leben" vom dtv - Verlag vorgenommen. Nicht nur ich habe es als eine sehr interessante Lektüre empfunden. Aber der Tenor des ganzen Buches war, dass es darauf keine Antwort gäbe, ja sogar, dass der Titel, wenn man ihn als Frage nimmt, falsch gestellt ist. Es ist ein ganzes Semester heftig debattiert worden, ohne zu einer Klärung zu kommen. Mir dagegen, war schon recht früh eine Antwort eingefallen, mit der ich ganz gut leben kann, aber sie in der Runde zu vertreten fehlte mir der Mut, vielleicht war es aber auch nur die Furcht widerlegt zu werden.

Einem Gast geziemt es nicht, sich kritisch über seinen Gastgeber zu äußern. Dabei gibt es sicher einige Probleme, die angesprochen werden sollten, aber eine Befürchtung, die immer wieder in der Presse auftaucht, und zu der sich auch unser Rektor geäußert hat, wir sollten es tunlichst vermeiden ordentlich Studierenden den Platz wegzunehmen. In Köln studieren ca. 5% Senioren, die durchschnittlich 2,5 Vorlesungen pro  Woche belegen, in Fächern, die sich meist für ein Studium generale eignen. Was sollen da die Befürchtungen? Erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang das nette Erlebnis einer Gasthörerin. Sie hatte sich, in einem überfüllten Hörsaal, auf eine Treppenstufe gesetzt. Dreimal wurde sie von  jungen Studentinnen zu einem ordentlichen Platztausch aufgefordert.

Wenn man Geburtstag hat, darf man sich was wünschen, besonders natürlich bei einem Runden. Ich wünsche mir daher, es möge mir gelingen meine Familie, die Uni, Freundschaften, Reisen und, und, ......, so in Einklang zu bringen, dass es sich weiter zu einem harmonischen Miteinander entwickelt, und niemand das Gefühl einer Benachteiligung hat.

Der Versuch, ein Gleichgewicht zwischen Privatleben und Universität herzustellen, hinderte mich immer daran Pöstchen, mit den damit zwangsweise verbundenen Aufgaben, zu übernehmen. Deshalb bin ich all denen zu Dank verpflichtet, die in den Jahren diese Arbeiten  übernommen und ehrenamtlich ausgeführt haben.       

Nun bleibt mir nur noch übrig Ihnen zu zurufen -- SEIEN SIE NEUGIERIG!!

 

 

5. Der Ausklang eines langen Seniorenstudiums

Vielleicht ist es das Alter, das einem den Rücktritt empfiehlt. Es wird einfach peinlich, wenn man nach der Zahl seiner Semester gefragt wird, und dann meint, wie entschuldigend, das Alter hinzufügen zu müssen. In einem ersten Artikel erwähnte ich, dass meine Enkelin früher immer Uno statt Uni sagte, im Herbst wird sie selbst zur `Uno` gehen. Auch unsere Kinder, die ich hier noch an der Uni  erlebt habe, könnten jetzt  schon ein Seniorenstudium beginnen, dann wären drei Generationen an der Uni Köln.

Mit den Jahren habe ich viele Kommilitonen kommen und gehen sehen. Bei vielen war das Gehen leider oft nicht freiwillig. Mir sind viele interessante Leute begegnet, manch freundschaftliche Bindungen bestehen natürlich heute noch, die einen Gedankenaustausch anregen.

Was hat mir nun das Studium gebracht? Vielleicht kann ich mich jetzt einfach besser einschätzen, aber auf keinen Fall  überschätzen. Für mich ist die Kluft zwischen Wissenschaft und meinem Alltag immer noch groß. Ich sehe mich irgendwie als ein Übersetzer, der versucht die Wissenschaft – wie ich sie verstanden habe – in meinen Alltag zu übertragen, ohne dass sie für mich an Respekt verloren hat. So werde ich dem Gesprächskreis `Philosophische Treppe` weiter verbunden sein. Abends gibt es eine Vielzahl von Vorträgen mit den unterschiedlichsten Themen und nicht zuletzt die vom FGS, dem Verein zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums, angebotenen 2MM Gespräche. Doch auch hier gleich eine Warnung: Wenn man dem Zwang der Seminare entronnen ist, fällt es einem unheimlich schwer sich abends noch einmal auf den Weg zu machen. Ist doch die Strecke plötzlich doppelt so weit wie früher, und seit einiger Zeit gibt es da auch noch einen Berg.

Jetzt möchte ich mich bei allen bedanken, die mich bis hierhin begleitet haben, ganz besonderen Dank gilt natürlich dem Lehrkörper. Sollte ich es nicht schon persönlich gemacht haben, wird man beim zufälligen Lesen dieser Zeilen merken, wer gemeint ist.

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Erika Lüdicke

Mein Name ist Erika Lüdicke. Ich bin 77 Jahre alt und seit dem Wintersemester 1983/84 studiere ich an der Universität zu Köln.

Mich interessiert im weitesten Sinn "Kulturgeschichte": also Literatur, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Philosophiegeschichte und auch Psychologie.

In letzter Zeit beschäftigen mich zwei Themen mehr und mehr: das Altern des Menschen (Was passiert da mit uns? Was kann man tun?) und die Frage, wie das Gehirn arbeitet (Wie und wo entstehen Gefühle? Wie kann man sie beeinflussen?).

Meine Motivation:

Meine Motivation ist die Suche nach Erkenntnis - nach Goethe: Ich möchte wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Zur Motivation zählt auch ein Stückchen Neid auf die später Geborenen: Heute ist es ja für viele eine Selbstverständlichkeit, Gymnasium und Uni zur Verfügung zu haben. Ich durfte damals, in den 30er Jahren, nicht aufs Gymnasium, aber das Gefühl der Benachteiligung ist jetzt vorbei.

Über Schwierigkeiten:

Am Anfang (1983/84) war die Orientierung sehr schwierig, auch das unbehagliche Gefühl: ich darf eigentlich gar nicht rein... und später dann auch die Beobachtung: wir suchen nach Erkenntnis und ertrinken in Informationen. Das Klima an der Universität ist jedoch viel lockerer, als man am Anfang befürchtet. Ein Beispiel: Die jüngeren Studenten wandern in den ersten beiden Wochen von Vorlesung zu Vorlesung, um sich gezielt für das Wichtigste entscheiden zu können. Dieses Recht haben auch wir. Auch wir müssen uns nicht schon vor Beginn des Semesters endgültig festlegen, welche Vorlesung wir besuchen wollen. Besonders seit es den Verein zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums gibt, wo sich Gleichgesinnte unseres Alters zusammenfinden, gibt es ein gutes Lebensgefühl.

Das Studieren ist ein prima Gedächtnistraining, ein Training in sozialem Verhalten, ein wundersames Naturheilmittel gegen Vereinsamung, Vertrocknung und Verhärtung!

Christiane Oppenheimer-Stix

Seit 3 Jahren bin ich Seniorstudentin. Ich hatte mir schon lange vor dem Abschluss meiner beruflichen Laufbahn als Naturwissenschaftlerin bei einem großen Konzern überlegt, dass ich nach meiner Pensionierung wieder an die Universität gehen wollte. Einfach, weil ich das Gefühl hatte, es würde mir Spaß machen. Ich hatte am Anfang zwar noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich genau studieren wollte und wie intensiv ich mich darauf einlassen würde, aber der Entschluss stand im Prinzip fest.

Ich fand es toll, dass es erlaubt war, an den Vorlesungen aller Fakultäten teilzunehmen und habe dann auch gleich im Anschluss an die Informationsveranstaltung für Interessierte am Gasthörer- und Seniorenstudium ein Vorlesungsverzeichnis gekauft, um es von vorn bis hinten durchzulesen. Dabei wurde ich auch schnell fündig, gerade bei Wissensgebieten, die nichts mit meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit zu tun hatten. Es war eine Vorlesung über Außenpolitikanalyse, eine Vorlesung über Logik und eine Übung über Bauhistorie, die ich zunächst auswählte. Dass es eigene Arbeitskreise für Seniorenstudierende gab, fand ich damals ebenfalls wichtig, da hierdurch auch die Kommunikation unter den Seniorstudierenden gefördert würde. So ging ich in den Arbeitskreis von Frau Pietsch-Lindt mit einem Thema über Bestattungsrituale.  Ich habe diese Veranstaltungen sozusagen "frei aus dem Bauch" heraus ausgewählt, wusste nichts über die jeweiligen Dozenten und habe erst einmal überall die Einführungsveranstaltung besucht, wo ich hoffte, eine genauere Vorstellung davon zu bekommen, was mich erwartete. Dies war dann auch der Fall und ich entschied, dass ich mit allen Veranstaltungen weitermachen wollte.

Eine besonders angenehme Erfahrung machte ich in der Logik-Vorlesung. Der Dozent stellte nämlich sein Manuskript ins Internet, so dass ich mir die Seiten zu Hause am Computer ausdrucken, durch Anmerkungen ergänzen oder noch einmal durcharbeiten konnte, wenn es nötig war.  Dies ist etwas, was ich bei vielen anderen Vorlesungen erlebt habe und was mir das Verstehen des Themas sehr erleichterte, gerade wenn der Stoff völlig neu für mich war.

Bei der bauhistorischen Übung stellte ich unter anderem fest, dass hier fast ein Viertel der Anwesenden Seniorenstudierende waren, was mich sehr beruhigte, als ich im Anschluss an die erste Stunde zum Dozenten ging, um zu fragen, ob er nichts dagegen hätte, wenn ich daran teilnähme. Er hatte dann auch keine Probleme damit, und die weiteren Stunden haben mir viel Spaß gemacht. Ich merkte nämlich, dass ich im Laufe meines Lebens doch schon einiges mitbekommen hatte und auch auf Fragen des Dozenten oft Antworten wusste. Das heißt, kleine Erfolgserlebnisse kamen immer wieder vor und bestärkten mich darin, weiterzumachen.

Im Prinzip habe ich dann jedes Semester diese gleiche Prozedur durchgemacht: Vorlesungsverzeichnis besorgen, Veranstaltungen auswählen und einfach hingehen.

Natürlich gab es auch Veranstaltungen, wo ich leider feststellen musste, dass ich einfach zu wenig verstand, weil ich als Naturwissenschaftlerin eine andere Denkweise gewohnt war und mich auch nicht in der Terminologie des Faches auskannte, das ich gewählt hatte. Das war z.B. bei einer Philosophie-Vorlesung über Gedankenexperimente der Fall, wo ich mich irgendwann fragte: Was soll das Ganze eigentlich? Ich habe dann die Konsequenzen gezogen und die Vorlesung nicht weiter besucht. Aber das tat meiner Begeisterung für andere Veranstaltungen keinen Abbruch.

Ein besonderes Highlight war dann vor einem Jahr das Zusammentreffen von zwei Veranstaltungen: einem Arbeitskreis von Frau Pietsch-Lindt über das Bauhaus als Lebensreform und einer Vorlesung über die Architektur des 20. Jahrhunderts, die sich zum Teil ebenfalls mit den Architekten des Bauhauses beschäftigte. Dadurch wurde ein Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet, was es für mich noch eindrucksvoller machte.

Ich könnte jetzt noch viele andere Beispiele von Veranstaltungen bringen, die für mich ein besonderes Erlebnis waren. Aber das würde einfach zu lange dauern.

Ich möchte daher nur noch zusammenfassen, was für mich entscheidend ist an meinem Seniorenstudium:

1. Das Studium macht mir Spaß, weil ich keinen Druck mehr spüre, etwas für eine Prüfung zu lernen, sondern weil ich mich wirklich nur mit einem Stoff beschäftige, weil er mich interessiert. Es bleibt mir überlassen, wie tiefgehend ich mich damit auseinandersetze und wie viel Einsatz ich dafür aufbringe.

2.  Ich kann aus einer großen Fülle von Angeboten wählen. Damit ist es mir möglich, auch andere Wissensgebiete kennen zu lernen, für die ich während der beruflichen Lebensphase keine Zeit hatte. Die Beschäftigung mit gerade diesen Themen empfinde ich als Bereicherung.

3.  Ich bin immer wieder gezwungen, mir über Dinge Gedanken zu machen, die ich bisher für selbstverständlich hielt. Dies ist für mich eine Herausforderung und es gibt mir das Gefühl, noch immer gedanklich flexibel und fit zu sein.

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Helga Schröder

Lebenslanges Lernen ist für mich nicht nur ein Schlagwort, sondern das habe ich ein Leben lang praktiziert. Somit bin ich nun als älterer Mensch nach meiner Berufstätigkeit fast ganz automatisch Gasthörerin an der Universität geworden.

Ich habe in jungen Jahren kein Studium absolviert.

Schon 1991 habe ich mich bei einer Einführungsveranstaltung informiert, jedoch erst 1996 begonnen, in das Unileben hineinzuschnuppern und mich zweckfrei mit verschiedenen Inhalten zu beschäftigen. Nach anfänglichen Überlegungen, ein Fach regulär zu studieren, bin ich dann doch zu dem Schluß gekommen, die größtmögliche Freiheit zu genießen und ohne Prüfungs- und Zeitdruck mich mit unterschiedlichen Dingen zu beschäftigen. Meine Fächerausrichtung liegt auf den Gebieten Kunst, Geschichte und Sprachen. Begonnen habe ich mit einem Gesprächskreis "Der Umgang mit Kunst". Schon in der ersten Sitzung habe ich Damen kennengelernt, die mir den einen oder anderen Tip gaben, was man noch machen kann - und das tat ich dann auch. Und nun ist mein Programm schon ganz schön angewachsen, so daß ich mich bremsen muß. Denn es ist ja nicht damit getan, sich nur etwas anzuhören, ein wenig häusliche Nacharbeit ist doch vonnöten. Für die erfolgreiche Mitarbeit in Arbeits- und Gesprächskreisen empfiehlt es sich, die angegebenen Bücher bzw. theoretischen Texte zu lesen. Eine gute Stunde sollte man schon einplanen. Über viele Semester hinweg habe ich Vorlesungen zur neueren deutschen Geschichte gehört, und zwar von der Aufklärung angefangen bis nach dem 2. Weltkrieg. Zu Semesterbeginn wird eine Literaturliste ausgeteilt, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Laut Prof. Hömig sollte man sich 2 Stunden für eine Vorlesung vorbereiten, dann die Vorlesung hören und sich im nachhinein wiederum 2 Stunden damit beschäftigen. Ich gebe zu, daß ich das nicht ganz so intensiv mache. Es ist aber so, daß man viel mehr von einer Vorlesung hat, wenn man vom Thema etwas weiß.

Mehrere Semester habe ich mich mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen intensiver mit der "sogenannten grauen Vorzeit" beschäftigt, und ab dem letzten Semester stehen nun die römische und griechische Geschichte auf meinem persönlichen Stundenplan.

Ein weiterer Schwerpunkt für mich sind Sprachen. Es werden hier an der Universität Sprachkurse für Anfänger angeboten, die zugänglich sind für Hörer aller Fakultäten. So habe ich über 3 Semester Italienisch gelernt und mich auch freiwillig den jeweils am Ende des Semesters durchgeführten Klausuren unterzogen. Danach habe ich in 3 Semestern ebenso Spanisch (einschließlich Klausuren) gelernt.

Pro Woche sind 3 - 4 Unterrichtsstunden vorgesehen, aufgeteilt auf zwei Termine. Bei der großen Anzahl der Teilnehmer kann man das Anwenden der Sprache natürlich nicht so gut trainieren, es wird überwiegend die Grammatik vermittelt. Im Spanischen war es zum Beispiel so, daß wir nach einem vorgegebenen Muster mit unserem Nachbarn sprachen. Pro Woche wurde eine Lektion durchgenommen, die zu Hause vorbereitet werden mußte. Eine gute Stunde pro Unterrichtseinheit ist sicherlich aufzuwenden, und dann hat man gerade mal die Hausarbeit gemacht.

Während meiner Schulzeit habe ich "locker" Englisch und Französisch gelernt, ich muß ehrlich sagen, daß das Lernen heute im Vergleich zu früher wie Tag und Nacht ist. Vor den Klausuren muß ich schon sehr viel lernen, dann bin ich aber auch ziemlich stolz, wenn genügend für das Bestehen der Prüfung hängenbleibt.

Zur allgemeinen Atmosphäre hier an der Universität möchte ich sagen, daß man rasch sehr netten Kontakt bekommt, nicht nur zu ebenfalls älteren Kommilitoninnen und Kommilitonen, sondern auch zu jüngeren Studierenden.

Die Beschäftigung mit den verschiedenen Inhalten sind für mich eine ungeheure Bereicherung, die ich nicht mehr missen möchte. Ich kann Sie nur ermuntern, Ihr Gasthörer- oder Seniorenstudium zu beginnen. Dazu wünsche ich Ihnen einen guten Start und viel Erfolg.

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Walter Weißenberger: Erfahrungsbericht zur Informationsveranstaltung

Über meine ersten Erfahrungen als Gasthörer hier an der Universität zu Köln möchte ich kurz berichten.
Was hat mich bewogen, mich als Gasthörer einzuschreiben und zu studieren? Es gab kein Schlüsselerlebnis oder eine Erkenntnis, Versäumtes nachzuholen. Wozu gibt es heute "Google"? Dort gibt es alles.
Ich wusste, dass ich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, in diesem neuen Lebensabschnitt, etwas Sinnvolles für mich tun wollte. Es sollte mehr sein, als manches quergelesene Buch, das seit Jahren darauf wartet, gelesen zu werden, nun in Gänze aufzunehmen.

Im Frühjahr 2007 besuchte ich eine Informationsveranstaltung für Interessierte am Gasthörer- und Seniorenstudium. Ich informierte mich über die Möglichkeiten an der Uni Köln zu studieren. Doch erst im Wintersemester 07 war es dann soweit. (Im Sommersemester hätte ich zu viel versäumt: Urlaub etc).

Das Vorlesungsverzeichnis habe ich gelesen wie den Katalog einer Buchhandlung; es liest sich schon spannend. Über welche Gebiete/Themen es alles Vorlesungen gibt!

Geschichte, Geschichte des Mittelalters und Theologie (ich bin ehem. Klosterschüler) sollte es sein. Theologie ließ ich mir dann ausreden. Frage: "Wie gut sind ihre Kenntnisse der griechischen Sprache?" Als ich sagen musste, nur noch bruchstückhaft, war dieses Thema erledigt. Wie ich später hörte, sind die Sprachkenntnisse (griechisch) mancher Studierenden auch nur noch bruchstückhaft.

Aus dem Vorlesungsverzeichnis habe ich dann all das herausgeschrieben, was mich interessierte. Das wäre ein volles Arbeitsprogramm geworden. Zu viel des Guten, also kürzen. Den 1. und 2. Entwurf eines Stundenplanes habe ich erstellt: Heraus kam ein Plan, der dann insgesamt 17 Wochenstunden umfasste. U.a.: Herrscher und Gesellschaftssysteme im Mittelalter, Geschichte des Mittelalters, Sozialgeschichte des Mittelalters, Umbrüche im Zeitalter der Ottonen, Geschichte der Benediktiner.

Der erste Vorlesungstag begann. Vor der Uni wurden für oder gegen etwas Flyer verteilt (früher sagten wir noch Handzettel dazu). Ich bekam keine, wurde wohl nicht für einen Studenten gehalten.
Die ersten Tage schrieb ich noch ziemlich unstrukturiert und mit einer Schrift mit, die nur ich bei guter Beleuchtung später lesen konnte. Ergebnis: Ich verbesserte umgehend meine Handschrift und statt DIN A 5 Block, stellte ich auf Ringblock DIN A 4 um. Nacharbeiten war nicht mehr nötig, und ich kann mein Geschriebenes heute noch sehr gut lesen.

Selbst meine Stuhlnachbarin in der VL ?Geschichte der Benediktiner?, die das ganze Semester neben mir saß, konnte meine Mitschriften lesen und abschreiben. (2 mal gefehlt, mehr hätte nicht sein dürfen, da sie sonst den "Schein" nicht erhalten hätte).

Meine persönlichen Termine habe ich in meinen Stundenplan "eingereiht" und zum Teil "untergeordnet". War nicht immer von Vorteil, wurde aber auch manches Mal als Ausrede benutzt "du weißt ja, Uni?"

Im Wintersemester 08 werde ich mich wieder als Gasthörer einschreiben, das Sommersemester 08 habe ich ausgelassen: zu viele andere Termine und Urlaub.

Ich werde einiges ändern: Meinen Stundenplan besser planen, den Freitag frei lassen, versuchen, Vorlesungen zu belegen, wo die Hörsäle nicht zu weit auseinander liegen.  "c.t." cum tempore gibt es in Köln nicht. (Dozenten und Studierende sind pünktlich, meistens).

Wie ist der Umgang untereinander, mit den Gasthörern und Studierenden? Gerade im Bereich Geschichte gibt es eine größere Anzahl von Gasthörern. Da jeder seinen eigenen Stundenplan zusammenstellt und diese sehr unterschiedlich sind, fehlt leider oftmals die Zeit für Gespräche. Zeit für Gespräche finden Sie beim fgs (Verein zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums): Dort sind Gleichgesinnte, die sich Vorträge anhören oder selbst halten, an Exkursionen teilnehmen oder sich zu einem Glas Kölsch in Uni-Nähe treffen.

Henriette Wilhelm: 3 Berichte

1. Kurzer Erfahrungsbericht als Beitrag zur Informationsveranstaltung September 2000

Mein Name ist Henriette Wilhelm. Ein Studium war mir in jungen Jahren aus finanziellen Gründen nicht möglich. Ich habe mit großen - familiär bedingten - Pausen als Verwaltungs- und später als kaufmännische Angestellte gearbeitet.

Sehr geehrte Zuhörer, weil Sie heute vorwiegend begeisternde und motivierende Erfahrungsberichte hören und nachdem auch ich in einem früheren Beitrag eine flammende Laudatio auf die von mir geliebten Arbeits- und Gesprächskreise gehalten habe, möchte ich heute auch zugeben, dass man um die Sechzig eben doch durch gewichtige subjektive Erfahrungen geprägt und belastet ist.

Durch das Seniorenstudium wird noch einmal ein später Entwicklungs- und hoffentlich auch Läuterungsprozess in Gang gesetzt.

Wahr bleibt: Geistige Lichtblicke bedeuten reine und ungetrübte Freude; es gibt aber auch verunsichernde und manchmal schmerzliche Erfahrungen.

Mein eigenes Beispiel, subjektiv und keineswegs allgemeingültig: Es treibt mir heute noch die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich mir vorstelle, dass ich als Quintanerin meine Altersgenossen aus der Dorfschule mit meinem frisch erworbenen Wissen schockte: Der Mensch stamme vom Affen ab. Das war Häresie, unvereinbar mit dem Katechismus!

Wahrscheinlich war der angerichtete Schaden aber gering, denn meine damaligen Zuhörer gingen alsbald zur Tagesordnung über und blieben vermutlich verschont von meiner eigenen elementaren Verunsicherung, die ich freilich - vom Alltag in die Pflicht genommen - über Jahrzehnte verdrängte.

Aber irgendwann lässt man die Frage zu: Wer sind wir?

Nicht weniger als eine Antwort auf diese Frage versprach ich mir von einem Seniorenstudium!

Meine Erwartung, in den heiligen Hallen einer Alma Mater Definitives zu erfahren, war natürlich naiv. Von höherer Warte aus vermehren sich die Fragen! Inzwischen habe ich gelernt: Wir müssen mit Ungewissheiten leben - und sterben.

Aber es kam noch schlimmer.

Viele bisherige Überzeugungen wurden schon während der ersten Semester relativiert:

* der gesunde Menschenverstand,
* das unbestechliche Gewissen,
* der freie Wille,
* die objektive Erkenntnis der Welt (an sich).......

Heute bin ich also nicht wissender als meine Oma, die 1940 in streng katholischem Umfeld kurz vor ihrem Tode zu sagen wagte: "Kinder, es ist alles ganz anders."

Sie stand mit ihren sündigen Zweifeln völlig alleine. Was hätte sie wohl darum gegeben, Gasthörer an einer Universität zu sein, wo radikales In-Frage-Stellen Methode ist?

So bleibt auch mir am Ende nur die Bescheidung, vielleicht ein Zipfelchen Weisheit.

Dennoch! Kurioserweise vermittelt das Ringen um Antworten auf elementare Fragen - auch wenn diese immer unbefriedigend bleiben - ein gesteigertes Lebensgefühl.

2. Etwas aus dem "Nähkästchen" der von mir so geschätzten Arbeitskreise

(leicht überspitzt und nicht ganz ernst zu nehmen)

Nachdem man in seinem früheren Leben beruflich oder familiär kleinere oder größere Machtpositionen innehatte, wird man in den Gesprächskreisen wieder ein Lernender. Und zwar in einer buntgemischten Gruppe Interessierter, jeweils geformt durch unterschiedliche Biographien, einige geistig bestens trainiert und dazu eloquent, andere redlich bemüht, ihre Weltsicht recht und schlecht zu artikulieren.

Nun könnte man meinen, die Doctores und ehemaligen Manager seien die Wortführer. Es hat mich zunächst gewundert, warum das in der Regel nicht so ist. Eine denkbare Erklärung: Adel verpflichtet! Sie geben daher nur dann ein statement ab, wenn es unanfechtbar erscheint. Wir "unbeschriebenen Blätter", von Vorschußlorbeeren unbelastet, verhalten uns da viel undiplomatischer und zutraulicher. Bisweilen outet man dabei seine eigenen Vorurteile. Recht festgefahrene und bisher plausibel erscheinende Neuronenvernetzungen im individuellen Denkapparat entpuppen sich vor der Gruppe als unhaltbar. Und das, nachdem man im Brustton der Überzeugung Kinder erzogen hat!

Wie geht man damit um? Unterschiedlich. Eine Gesprächsteilnehmerin bewertete ihren eigenen Beitrag so, dass sie abends "am liebsten ins Wasser gehen" wollte! *) So schlimm ist es aber nur selten. Und außerdem: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Na ja, nicht ganz. Mein persönliches Motto ist inzwischen: Kopf hoch: Der Weg ist das Ziel!

*) Sie schritt auch zur Tat und nahm ein Schaumbad...

3. Macht Seniorenstudium über die individuelle Bereicherung hinaus auch Sinn für das soziale Miteinander der Generationen?

Erfüllen wir die ursprünglichen Erwartungen des "Dortmunder Modells" von 1980: durch Seniorenstudium "Animateure und Multiplikatoren" auszubilden? Ich denke schon, wenn auch wenig spektakulär.

Wenn es Einzelnen gelingt, nach vielleicht schmerzlichem Prozess ihren durch Altersstarrsinn aufgerichteten Sicherheitszaun niederzureißen und sich unabgesichert "im Offenen" zu bewegen, ist auch zu hoffen, dass sie sich durch die Gruppenarbeit die Zivilcourage und die Fertigkeit einer überzeugenden Artikulation aneignen, um daheim, im Bekanntenkreis, in der Straßenbahn oder gar öffentlich landläufigen, bequemen Vorurteilen (Vorverurteilungen!) kritisch zu begegnen.